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Die Rumelner Windmühle

Mit einer Chronologie möchte ich die Rumelner Windmühle in das Bewußtsein der Bürger zurückrufen.

Ein Bild der Rumelner Mühle, das wahrscheinlich Anfang der 60er Jahre entstanden ist. Danke Frau. A. Fischer.

1727

Der Ursprung der Rumelner Mühle, die wegen ihrer Lage im Weiler Hochfeld auch "Hochfelder Mühle" genannt wurde liegt weit zurück.

Die erste urkundliche Nennung erfolgte im Jahre 1727. Zu dieser Zeit stand auf dem gleichen Gelände eine Bockwindmühle, in der unter der Aufsicht preußischer Unteroffiziere Getreide gemahlen wurde.

Im Vordergrund stand hier nicht die millitärische Präsenz. Vielmehr wurde hier gedienten Unteroffizieren eine Art "Vorruhestandsregelung" angeboten.

 

 

 

 

Bild einer Bockwindmühle - Wikipedia

 

 

1776

Im Jahre 1776 erwarben Rumelner Bauern, die sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen hatten, die Mühle. Es ist nicht bekannt, in welcher Form die Windmühle betrieben wurde.

 

 

1801

Die Rumelner Bauergenossenschaft lässt in den Jahren 1801 - 1803 die Rumelner Mühle umbauen. Es entstand die größte Windmühle des ehemaligen Kreises Moers.

 

 

 

In dieser Windmühle sollen bei gutem Wind bis zu 100 Zentner Getreide zu Mehl verarbeitet worden sein.

 

 

1898

Die Brüder Gottfried und Peter Dimmers kommen als Müller nach Rumeln.

 

 

1900

Die Jahreszahl 1900 soll nur auf "frühere Zeiten" hindeuten. In diesen "früheren Zeiten" wurde die Rumelner Mühle zur Kirmes Zeit mit grünen Zweigen geschmückt. Alle 2 Jahre soll die Mühle mit einem Kalkanstrich "geweißt" worden sein.

 

 

1909

Gottfried Dimmers wird Geschäftsführer der Rumelner Bauernschaft.

 

 

1918

Am 21. Dezember 1918 fielen die gewaltigen Flügel der Rumelner Windmühle einem Sturm zum Opfer.

Obwohl der Bereich Hochfeld zu dieser Zeit noch nicht an das elektrischen Leitungsnetz angeschlossen war, entschied man sich, den Mühlenbetrieb auf Strom als Antriebsquelle umzustellen.

 

 

 

 

Dieses Bild der Rumelner Mühle ist vor 1918 entstanden (noch mit Flügeln)

 

 

1929

Gottfried Dimmers kauft die Rumelner Mühle der Bauernschaft ab.

 

 

1939

-

1945

In der Zeit des 2. Weltkrieges diente die Hochfelder Mühle einem Teil der Rumelner Bevölkerung als Luftschutzbunker. Die meterdicken Wände boten den Menschen Schutz vor den Bomben der alliierten Streitkräfte. Platz war für etwa 25 Personen.

Die Mühle selber erlitt durch die Bombeneinschläge schwere Schäden.

 

 

1953

Mit dem 13. Februar 1953 wurde der Mahlbetrieb in der Rumelner Mühle eingestellt und das Ende der Mühle eingeleitet, die auf eine weit über 200jährige Geschichte zurückblickt.

 

 

 

 

ca.

1954

Die Tochter von Gottfried Dimmers, Frau Elisabeth Lange, die auf der der Mühle gegenüberliegenden Straßenseite ein Lebensmittelgeschäft betrieb, nutzte die alte Mühle für einige Zeit als Lagerraum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch hier die beflügelte Mühle

 

 

ab 1960

Das Wahrzeichen des "Weilers Hochfeld" Hochfeld verfällt immer mehr. Längst sind die Scheiben zerschlagen, das rostige Geländer zerborsten und in den Fugen der Steine wachsen Gräser und Kräuter und auf der Galerie gedeihen Birken, die in den nächsten Jahre schon zu stattlichen Bäumen heranwachsen.

 

 

1964

Der Rumelner Müller Gottfried Dimmers verstirbt im Alter von 87 Jahren. 55 Jahre lang hat er in der Rumelner Windmühle sein Tagwerk verrichtet und ist Teil der Rumelner Ortsgeschichte geworden.

 

 

1965

Gemeinde, Kreis und Landeskonservator befassen sich mit der Zukunft der Rumelner Mühle ohne zu einem Ergebnis zu kommen, denn es fehlt das nötige Geld.

 

 

1966

Für eine mögliche Nutzung der alten Rumelner Mühle gibt es in dieser Zeit viele Ideen. Jugendtreff, Restauration und Cafe´ sind nur einige Beispiele.

 

 

1967

Das ca 2.500 qm große Mühlengrundstück wird an den Kaldenhausener Bauunternehmer Hendrix verkauft.

 

 

Auf dieser Karte ist das Grundstück, auf dem einmal die Rumelner Mühle stand, schraffiert gekennzeichnet.

 

 

 

 

 

22.02.
1968

In einer Sitzung des Kulturausschusses wird beschlossen, in der Bürgerschaft die Gründung eines Heimatvereins anzuregen, der sich mit dem Erhalt der Rumelner Mühle befassen sollte. Hier fand sich aber in der Bevölkerung kein ausreichendes Interesse.

 

Letztes Aufbegehren gegen den Abbruch ist eine Unterschriftenaktion einer Interessengemeinschaft für die Rumelner Mühle. Aber die über 1000 gesammelten Unterschriften können nichts mehr bewirken, denn inzwischen steht fest, dass dem historischen Bauwerk kein Denkmalschutz gewährt wird.

 

 

1968

Dem Bauunternehmer Hendrix wird die Abbruchgenehmigung für die Rumelner Mühle erteilt und ein Rheinhauser Abbruchunternehmen mit der Durchführung beauftragt.

Ein wichtiger Grund für die Erteilung der Genehmigung war die Tatsache, dass die baufällige Mühle mit ihrem losen Mauerwerk mittlerweile eine echte Gefahr für Passanten und spielende Kinder geworden war.

 

 

1968

Sechs Tage dauerte die Vorbereitung zur Sprengung der Hochfelder Mühle. In die 140 cm dicken Wände wurden insgesamt 75 Bohrlöcher vorgetrieben, in denen 25 Kilogramm Sprengstoff (Ammon-Gelit-3) gefüllt wurden.

Heinz Billen schreibt dazu weiter:

"Die Fundamente hatte man bereits 14 Tage vorher angesprengt und zahlreiche Stahlträger durchgeschweißt. Der Mittelbalken, der sogenannte "Kaiser" in der Mühle, wurde am Vorabend der Sprengung mit Brettern verschalt. Er sollte erhalten bleiben.

Die Zeit der Mühle war abgelaufen. Hunderte von Strohballen sicherten die Umgebung, als Sprengmeister Karl Sippels aus Rumeln die Zündschnüre anschloß. Die Polizei räumte die Umgebung von den zahlreichen Zuschauern. Nachdem die "Warn-Tröte" ertönt war, duckten in gebührenden Abstand alle die Köpfe und ein dumpfes Grollen ließ den Boden am 3. September 68 um 12.42 Uhr erzittern. Nachdem sich der Qualm verzogen hatte, war nur noch ein großer Trümmerhaufen vom einstigen Rumelner Wahrzeichen vorhanden."

 

 

 

 

 

Bild Sprengung

 

 

 

 

1969

Dort, wo einst das Schmuckstück des Rumelner Hochfeldes stand wurden in der Folgezeit durch den Bauunternehmer Hendrix insgesamt 4 Doppelhäuser mit Garage schlüsselfertig erstellt. Zwei Doppelhäuser grenzen an den Mühlenweg, die beiden anderen an die Schillerstraße.

 


 

Dieses Bild ist im Mai 2008 entstanden und zeigt Doppelhäuser am Mühlenweg.

 

 

 

Der Mühlenweg ist der einzige Hinweis auf die "Rumelner Windmühle", ein Relikt

 

 


 

„Relikte, das sind Hinterlassenschaften, das sind Spuren, die in die Vergangenheit führen“.

 

 

 

 

 

 

 

 

So etwa könnte die Rumelner Mühle heute aussehen – Bergheimer Mühle Weihnachten 2003

 

 

 

 

 


 

Anhang

 

Hein Billen:

Das Ende der Rumelner Mühle am 3. September 1968

 

Den Kampf gegen Windmühlen hat die moderne Technik gewonnen. Fährt man durch die Ebene des Niederrheins, dann sieht man, charakteristische für fast jedes Dorf, weithin sichtbar einen Kirchturm und sehr oft den mächtigen, aus Ziegelsteinen bemauerten runden Turm einer alten Windmühle. Diese heute meist flügellosen Windmühlen sind ehrwürdige Denkmäler früherer Zeiten, deren Erhaltung wegen der historischen Bedeutung eine Aufgabe vieler Heimatfreunde ist.

Nicht so bei uns in Rumeln. Das vertraute Bild der alten Mühle, die wegen ihrer Lage im Rumelner Hochfeld auch oft die Hochfelder Mühle genannt wurde, ist einer Wohnbebauung gewichen.

Im nachfolgenden Bericht will ich nicht werten, sondern einfach aufzeigen, wie es damals möglich war die Mühle zu sprengen.

Zunächst einige geschichtliche Daten zur Mühle selbst.

Wie schon der Name der Rumelner Mühle „Hochfeld“ sagt, lag sie einst auf einer vom Hochwasser des Rheins geschützten leichten Anhöhe. Ursprünglich stand hier eine Bockwindmühle, in der unter Aufsicht preußischer Unteroffiziere Getreide gemahlen wurde. Aus dem Jahre 1727 liegt ein Inhaltsverzeichnis der Hochfeldschen Mühle vor. 1776 erwarben ortsansässige Bauern die Mühle, die sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen hatten. Zwischen 1801 und 1803 ließ die Genossenschaft die Mühle umbauen. Es wurde die größte Windmühle im einstigen Kreis Moers. 1998 kamen Gottfried und Peter Dimmers als Müller nach Rumeln. 1909 Wurde Gottfried Dimmers Geschäftsführer der Bauernschaft, von der er dann 1929 die Mühle kaufte. In der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 1918 wurden von einem Sturm die gewaltigen Flügel heruntergerissen. Für die Mühle begann damals das Zeitalter der Elektrizität. Ein nicht einfaches Unterfangen, den die Leitungen mussten von weit her die Anhöhe hinaufgelegt werden, da zu diesem Zeitpunkt Rumeln noch nicht an das elektrische Leitungsnetz angeschlossen war. Im 2. Weltkrieg bot die Mühle mit ihren meterdicken Wänden als Luftschutzbunker Platz für 20-30 Personen. Durch Bomben erlitt sie schwere Schäden. Am 13. Februar 1953 wurde der letzte Sack Korn zu Mehl gemahlen. Und dann das Mahlwerk stillgelegt. Bei gutem Wind wurden hier einst 100 Zentner Getreide gemahlen.

Alte Rumelner erinnern sich noch und alte Fotos belegen es, dass früher die Mühle zur Kirmes mit grünen Zweigen geschmückt und die Flügel und Fenster frisch gestrichen wurden. Jedes 2. Jahr erfolgte ein neuer Kalkanstrich.

Nach der Stillegung diente die Mühle eine zeitlang als Abstellraum für ein Lebensmittelgeschäft, das damals Gottfried Dimmers Tochter Elisabeth Lange auf der gegenüberliegenden Straßenseite betrieb. Das einstige Schmuckstück Hochfelds verfiel immer mehr. Das geländer des mächtigen Umgangs hing an einigen Stellen rostig herab, der Verputz war abgefallen, die Fensterscheiben zerschlagen. In den Spalten des Mauerwerks wuchsen Gras und Brennesseln, sogar Birken fristeten hier ihr Dasein.

1964 verstarb Gottfried Dimmers im Alter von 87 Jahren. Er hatte über ein halbes Jahrhundert (55 Jahre) hier gearbeitet. Was sollte mit der Mühle geschehen. Die Mühle wurde ein Objekt von Überlegungen der Gemeinde, des Kreises Moers und des Landeskonservator. Tolle Pläne tauchten auf (Cafe´, Jugendtreff usw.) und verschwanden wieder in den Schubladen. Schließlich wurde das 2500 qm größe Mühlengrundstück mit der inzwischen abbruchreifen Mühle an den Bauunternehmer Hendrix aus Kaldenhausen verkauft.

Rat und Verwaltung der Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen bedauerten dies sehr. Man hatte vergebens versucht, das historische Wahrzeichen zu erhalten. Aber die finanziellen Mittel, die für den Ankauf und eine Renovierung nötig waren, konnten bei der geringen Finanzkraft der Schnellzuwachsgemeinde nicht allein aufgebracht werden. Nachdem auch feststand, dass dem Bauwerk Denkmalschutz nicht gewährt wurde, blieb nur noch die Möglichkeit, die Mühle durch Beteiligung der Bürger zu erhalten.

Infolgedessen beschloß der Kulturausschuß in seiner Sitzung vom 22. Januar 1968 die Bürgerschaft zur Bildung eines Heimatvereins anzuregen, der sich mit der Erhaltung des  historischen Bauwerks befassen sollte. Ein entsprechender Notruf, in der Presse bekannt gemacht, fand leider nicht ausreichend Beachtung. In letzter Minute sammelte eine Interessengemeinschaft noch über 1000 Unterschriften, aber inzwischen war das Grundstück verkauft. Die Abbruchgenehmigung hatte der neue Besitzer bereits in der Tasche. Eine Rheinhauser Abbruchfirma wurde beauftragt, die Mühle, die zuletzt durch ihr loses Mauerwerk eine Gefahr für Passanten und spielende Kinder darstellte, abzutragen.

In sechstägiger Arbeit wurden in die 1,40 m dicken Wände 75 Löcher gebohrt und mit insgesamt 25 Kilo Ammon-Gelit-3 Sprengstaoff gefüllt. Die Fundamente hatte man bereits 14 Tage vorher angesprengt und zahlreiche Stahlträger durchgeschweißt. Der Mittelbalken, der sogenannte "Kaiser" in der Mühle, wurde am Vorabend der Sprengung mit Brettern verschalt. Er sollte erhalten bleiben.

Die Zeit der Mühle war abgelaufen. Hunderte von Strohballen sicherten die Umgebung, als Sprengmeister Karl Sippels aus Rumeln die Zündschnüre anschloß. Die Polizei räumte die Umgebung von den zahlreichen Zuschauern. Nachdem die "Warn-Tröte" ertönt war, duckten in gebührenden Abstand alle die Köpfe und ein dumpfes Grollen ließ den Boden am 3. September 68 um 12.42 Uhr erzittern. Nachdem sich der Qualm verzogen hatte, war nur noch ein großer Trümmerhaufen vom einstigen Rumelner Wahrzeichen vorhanden. An seiner Stelle wurden vier Doppelhäuser mit Garagen schlüsselfertig erstellt, je 2 zur Schillerstraße und 2 zur Mühlenstraße. Die Mühlenstraße ist heute die einzige Erinnerung an die Rumelner Mühle. Eine Geschichtsepoche für das Rumelner Gebiet ist damit endgültig zu Ende gegangen.

 

 

 

Quellen:

FA Meyer: Die Landnahme der Industrie im Rheinhauser Raum S. 415 bis 423

Hans Vogt: Niederrheinischer Mühlenführer

Presseberichte

Heinz Billen: Das Ende der Rumelner Mühle am 3. September 1968