Ghufkenweg

Der "Derk-Hüfken-Weg ist vielleicht die kürzeste offizielle Wegstrecke in Rumeln-Kaldenhausen und nur als Fussweg ausgelegt. Aber sie ist einem Helden gewidmet, dem Landarbeiter Derk (Diederich) Hüfken. Natürlich sind fast alle Rumeln-Kaldenhausener Helden, kein Thema, aber dieser Mann hat sich durch eine Heldentat, die in einem Gedicht beschrieben wird, hervorgetan.

Es hat sich im Jahre 1845 zugetragen. Der Rhein hat bei einem Hochwasser die Deiche in Uerdingen durchbrochen und auch Rumeln-Kaldenhausen überflutet:

"Im März dieses Jahres war der Damm bei Ürdingen gebrochen , und die Wassermassen brausten durch das Ürdigener - , Kaldenhausener - weiter durch das tiefergelegene Bruchgelände von Rumeln in Richtung Moers. 

Derk Hüfken, der bei Röltgen , heute Hülsen, diente hatte die gefährliche Lage seiner Familie erfahren. Kurz entschlossen packt er zu.

(Im Heimatkalender des Kreises Moers 1941 , Seite 68 / 69 wird seine Heldentat , die er mit dem eigenen Leben und seines Sohnes bezahlen mußte , geschildert.)

Hans Wilhelm Hepe, Lehrerstudent im Jahre 1935 an der Rumelner Schule, hat diese unvergeßliche Tat in einem Gedicht verewigt::

Der Rhein geht höher, der Rhein wird stark, und hämmert die Dämme mit Wut und mit Macht.

Die Wogen peitschen und rollen daher und schwellen und wachsen zum brandigen Meer.

Jetzt muß es zerbrechen, uns Menschenhand schuf! Ein Bersten! - Ein Ruf!

Die Wasser wühlen sich schäumend ins Land, zersplittern die Weiden mit spielender Hand;

umspülen die Häuser mit grauem Gesicht und recken sich geifernd ins törichte Licht.

Und fressen hinein in das Rumelner Bruch. "Hilf herr! Genug!

Es flüchten sich Menschen und brüllendes Vieh; Schon lecken die gischtigen Wogen die Knie,

Es rasen die Herzen vom fliegenden Lauf; Nur vorwärts! Nur vorwärts! Die Höhe hinauf!

Und hinter der Sündflut chaotischer Grund:- Ein endloser Schlund.

Doch seht nur, da hinten am Pilgerschen Haus, Wer winkt da um Hilfe am Fenster hinaus?!

Der Bauer Hans Pilger, mit Frau und mit Kind. Und über die rauschenden Wellen der Wind

Trägt schaurig herüber den heiseren Schrei: Hilfe! Herbei!

Wie sollen wir helfen? Wir haben kein Boot. Unmöglich zu schwimmen - es wär' nur der Tod.

Ein Floß muß man bauen! - Es wär ja zu spät! Die tastende Flut schon am Dachstübchen steht;

Gleich ist es zu Ende! - Sollen denn sie Ersaufen wie Vieh?

Da tritt aus der Menge ein Jünglich hervor: Derk Hüfken! Derk Hüfken! So raunt es im Chor.

"Derk, süß dou et niet, so weld as dou böß! Dat datt dinner sicheren Ondergang öß!

"Doch Derk ist entschlossen, kein Mensch hält ihn ab, "Hier mot man doch helpen!" entgegnet er knapp.

Ein uralter Mengtrog nur dient ihm als Kahn. Es beben und toben die Menschen im Wahn

und rasen und rufen und machen ihm Mut. Doch Derk steuert ruhig durch reißende Flut.

Es wirbelt der Bottich, die Stange wird klein. "Derk, breng se heim!"

Jetzt ist es erreicht. Man sieht es genau. Das Schifflein nimmt schwankend die schwangere Frau.

Die Wellen spülen den Bottich zum Land Und Derk führt die Stange mit kraftvoller Hand.

Unhaltbar der Jubel, - "Ein Held, Derk, bist du!" Doch der hat nicht Ruh!

Zum zweitenmal steuert er mutig hinaus, Erreicht unter Tosen und Schreien das Haus.

Hans Pilger reicht eilig sein zweijährig Kind, Bleibt wartend zurück.

Derk Hüfken geschwind Lenkt trotzig - verwegen sein schwankendes Schiff Und da! - Ein Riff?

Ein Wirbeln und Taumeln, dann hebt sich der Trog und gleitet kieloben im rasenden Sog. -

Da stürzt sich der Bauer hinab in die Flut, Zu helfen dem Retter, dem eigenen Blut. -

Vergebens sein Suchen. - Er hört auf die Rufer - Und kämpft sich zum Ufer.

Derk Hüfken, den fand man nach Tagen am Strand Den Buben in seiner erstorbenen Hand.

Kein Denkmal heut' kündet vom Helden am Ort; Doch lebt er im Herzen der Rheinländer fort.

Derk Hüfken, du Held, sollst uns Männer vom Rhein Stets Vorbild sein!

Dieses Gedicht entstand im Jahre 1936, denn in einem Zeitungsausschnitt aus eben diesem Jahre, kann man folgendes lesen : "Volksbildungsabend in Rumeln ...... Schöne Heimatlieder leiteten über zu der Gedichtfolge des Studenten und Jungdichters Hans Wilhelm Hepe , der eine Anzahl seiner gegenwartsbetonten Gedichte einer dankbaren Zuhörerschaft zum Vortrag brachte. Er hat den Ortshelden `Derk Hüfken` in einem dramatischen Gedicht ein bleibendes Denkmal gesetzt. ......"

Schlussbetrachtung: Laut Sterbeeintrag im Kirchenbuch sind die o.g. am 01.04.1845 verstorben (Johann Pilger 2 Jahre und 7 Monate und Diederich Hüfken 36 Jahre alt). Die Zeit wird mit 2 Uhr Mittags angegeben , dies würde nicht der im Text angegebenen Zeit entsprechen. Die Leiche des Jungen wurde am 06.04. und die des Diederich Hüfken am 08.04.1845 gefunden. Die Beerdigungen fanden am 08.04. bzw. am 10.04.1845 statt.

Schön ist, daß der "Derk-Höfken-Weg" noch heute an jedem Tag einen guten Zweck erfüllt. Er ermöglicht den Einwohnern des Pflegeheimes "Veronika" den Zugang zur freien Natur.